Olga Rubitschkowa-Zyklus: neue Einspielung

Endlich ist es so weit. Ich hatte ja hier schon vom Gedichtzyklus “Olga Rubitschkowa” von Ivan Bezgolov berichtet. Nun liegt endlich eine Neuaufnahme des Bassisten Giovanni Brufolo zusammen mit dem Tubisten Knut Mahwin vor.

Der Liederzyklus ist von einer berührenden Anmut und Tiefe, der Komponist Aksel Døvsen (1847(?)-1939(?)) ist allgemein bekannt gewesen für seine nuancierten, facettenreichen Kompositionen, die in erster Linie von einer im wagnerschen Sinne unendlichen Melodie geprägt sind. Ein ganz besonderes Werk, wenn man bedenkt, dass Døvsen sämtliche Kompositionen eigentlich verbrannt hat. Der vorliegende Zyklus musste denn auch von mir mühsamst rekonstruiert werden. Die Arbeit hat sich aber ohne Frage gelohnt. Zu schade, dass wir keine anderen Werke dieses frühimpressionistischen Isorhythmikers, der sich zeitlebens gegen den konstruktivistischen Einfluss der frankoflämischen Vokalsymphonik auf die Entwicklung des dodekaphonischen  Mysterienspiels gewehrt hat, kennenlernen durften.

Sensation: Verschollener Gedichtzyklus von Ivan Bezgolov aufgetaucht

Im Rahmen meiner Forschungsarbeit zum dänischen Komponisten Aksel Døvsen (1847(?)-1939(?)) stieß ich auf einen Liederzyklus, der im Skizzenstadium stehen geblieben war (möglicherweise weil der Komponist darüber verstarb). Der Liederzyklus war noch ohne Text notiert, weshalb sich die Frage stellte, welche Gedichte vertont werden sollten. Mir war durch meine langjährige Forschung zu diesem Komponisten natürlich bekannt, dass oft die direkte Chiffrierung von Texten als Kompositionswerkzeug benutzt wurde. In diesem Fall musste man nur die geschriebene Note in eine Frequenz übersetzen (Beispiel: d”” = 2349,32 Hz), diese dann mittels der Formel

 \sqrt{2\pi n} \left( \frac{n}{e} \right)^n \leq n! \leq \sqrt{2\pi n} \left( \frac{n}{e} \right)^n \cdot e^{\frac{1}{12n}}.

in einen Buchstabenwert umrechnen und voilà: der Text war gefunden. Ich habe nun daqs Vergnügen, diesen Text erstmals der Öffentlichkeit zu präsentieren:

I

Olga Rubitschkowa – Oy!

 

II

Oy! Oy weh,

Olga Rubitschkowa…

 

III

Oy oy oy…

Ach Olga, Olga Rubitschkowa!!

 

IV

Olga Rubitschkowa

kaufte einmal

einen Fisch [auf dem Markt, Wendung nicht direkt übersetzbar].

Der Fisch hieß

Herr Tsurban.

 

V

Oy!

 

Zunächst blieb allerdings die Frage offen, wer der Urheber des Textes sein könnte, aber diese Frage war dank der Mithilfe von Knut Mahwin und Yorick Weichkopp (beide profunde Kenner der russischen Literatur der Moderne) schnell geklärt: es handelt sich bei dem Autor eindeutig um Ivan Bezgolov, dessen gesamtes Werk während des Buterbrody-Aufstands im Jahr 1903 verbrannte. Man kennt sein Werk nur durch vage Erwähnungen zeitgenössischer Autoren, freilich ist dieses Material spärlich und wegen der kirchlichen Zensur unzugänglich geblieben. Noch ist nicht geklärt, wie sich Døvsen und Bezgolov kennengelernt haben, zumal keiner von beiden jemals sein Land verlassen, geschweige denn eine Korrespondenz jeglicher Art geführt hat. Hier hat die Forschung beider Bereiche, der Musikwissenschaft wie der Literaturwissenschaft noch einiges an Recherche zu leisten.

Durch meinen Fund ist nicht nur eines der bedeutendsten Werke der frühen russischen Moderne zutage gefördert worden, sondern gleichsam ein Meilenstein der russischen Literatur rekonstruiert worden. In Kürze werden wir hier auch den kompletten Liederzyklus in einer neuen Einspielung vorstellen, worauf ich mich schon jetzt sehr freue. Ich selbst habe den Zyklus anhand der Skizzen Døvsens fertig gestellt, die Partitur wird in Kürze in einer kritischen Faksimile-Ausgabe herausgegeben.

The forgotten music of Waynne Rocco Lizarddrainer

This short sample is the only known example of the musical artistry of Waynne Rocco Lizarddrainer (1894(?) – 1918(?)), a genius of the early jazz piano. He was not only a virtuoso standing in the shadow of Art Tatum but also a pioneer in microtonal music and early free jazz. Lizarddrainer never left his house, had no family and no friends. This recording is a bootleg and I am very proud to present this rarity to all music lovers.

Yours sincerely, Zebedäus Yvar Bromskloss.